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Die Nachsilbe -gate ist Anglizismus des Jahres 2013

Während manche in den Entlehnungen des Deutschen aus der englischen Sprache, den so genannten Anglizismen, den baldigen Untergang der deutschen Sprache (und Kultur) heraufziehen sehen, will die Initiative „Anglizismus des Jahres“ den positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung der deutschen Sprache würdigen und damit ein besseres Verständnis von Entlehnungen im Sprachwandel erreichen. Die Entlehnung von Wörtern betrachtet sie als natürlichen Prozess, der in jeder Sprache stattfindet, und das Englische als globale Lingua Franca.

Ich persönlich würde dem im Wesentlichen zustimmen, gerade in einem dynamischen Bereich wie hier in den sozialen Medien lassen sich englische Begriffe häufig nicht vermeiden.

Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass man nicht immer und überall auf englische Lehnwörter zurückgreifen muss. Manchmal können die englischen Entlehnungen auch ganz schön aufgesetzt und arrogant klingen. Dazu müsst ihr z. B. nur mal einem Gespräch unter “Bankern” – übrigens ein wirklich hässlicher Anglizismus – lauschen.

Zum Anglizismus des Jahres 2013 hat die Jury dieses Mal kein ganzes Wort, sondern die Nachsilbe -gate gekürt. Diese kam 1972 mit dem Watergate(-Skandal) auf und hat sich seitdem im Englischen und etwas verspätet im Deutschen als Wortbestandteil zur Benennung von Skandalen aller Art bewährt.

Im Jahr 2013 ging z. B. das “Dirndlgate” (auch “Brüderlegate” genannt) durch die deutschen Medien. Das bezog sich auf den FDP-Politiker Rainer Brüderle, der sich abends an einer Bar gegenüber einer Journalistin des Stern verbal daneben benommen hatte, indem er mit Blick auf deren Busen äußerte “Sie können ein Dirndl auch ausfüllen” – eine wenig originelle und geschmacklose Anspielung auf die Oberweite der Journalistin.

Ob die Nachsilbe -gate, mit deren Hilfe die Medien versuchen auch die allerletzte Kleinigkeit noch zum Skandal hochzustilisieren, aber wirklich eine gute Wahl ist, um die positiven Einflüsse des Englischen auf die deutsche Gegenwartssprache zu würdigen, frage ich mich schon ein bisschen.

Aber ich persönlich möchte auch nicht in der Jury eines Wortes, Unwortes oder Anglizismus des Jahres sitzen, denn irgendjemand hat immer irgendetwas an der Wahl zu kritisieren. 😉

Wie dem auch sei, mehr über den Anglizismus des Jahres 2013 findet ihr hier:

Anglizismus des Jahres 2012

Diese schöne Wortwolke mit verschiedenen Anglizismen aus dem Jahr 2013 entnehme ich dem Pressematerial der Initiative Anglizismus des Jahres:

anglizismus des jahres-wordcloud-2013-480



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