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Wortschatz für Fortgeschrittene: “Tempo”, “Tesa”, “Uhu” und Co. – Generische Markennamen

Deonyme

Wenn jemand in Deutschland “Uhu”, “Tesa” oder “ein Tempo” verlangt, weiß jeder, was gemeint ist, aber trotzdem werdet ihr das Wort (wie z.B. “Uhu” und “Tesa”) (meist) nicht im Wörterbuch finden oder nur unter einer ganz anderen Bedeutung wie z.B. “Tempo”, was natürlich auch Geschwindigkeit bedeutet oder “Uhu”, was normalerweise ein großer Nachtvogel ist.

Das liegt daran, dass diese Wörter eigentlich Markennamen für bestimmte Produkte sind, die sich aber im allgemeinen Sprachgebrauch als Bezeichnung für eine bestimmte Produktgruppe durchgesetzt haben.

Denn wenn jemand nach einem “Tempo” oder nach “Uhu” verlangt, dann braucht er eigentlich ein Papiertaschentuch (“Tempo”) oder Klebstoff (“Uhu”). Solche Markennamen nennt man generische (auch: generalisierte) Markennamen oder auch lateinisch “Deonyme”.

Beispiele für Deonyme im Deutschen

Einige Beispiele für Deonyme im Deutschen sind “Tesa” (durchsichtiger Klebestreifen), “Tempo” (Papiertaschentuch), “Leitz-Ordner” (Aktenordner), “Labello” (Fettstift für die Lippen), “Kaffee Hag” (koffeinfreier Kaffee), “Nivea” (Feuchtigkeitscreme), “Tipp-Ex” (Korrekturflüssigkeit), “Edding” (Filzstift), “Knirps” (kleiner Regenschirm für die Tasche zum Zusammenklappen), “Tupperdose” (Frischhaltedose für Lebensmittel).

Manche Deonyme sind (zumindest ein bisschen) international wie z.B. “Aspirin” (Kopfschmerztablette) oder “Pampers” (Einweg-Windeln). Andere sind nur regional wie z.B. “Selters” – so nennt man Mineralwasser in einigen Regionen von Deutschland. Wenn ihr in meiner Heimatstadt Stuttgart in der Kneipe ein(e)(?) Selters bestellt, dann werdet ihr im Normalfall aber eher Unverständnis ernten.

Deonyme aus Ortsnamen, Personen- und Firmennamen

Auch Ortsnamen, Personen- oder Firmennamen werden manchmal zu Deonymen: “röntgen” (Röntgen-Strahlung/Conrad Röntgen), “Duden” (Wörterbuch/Konrad Duden), “Berliner” (typisches Schmalzgebäck), “Wiener” (Saitenwurst) oder “wienern” (etwas putzen, so dass es glänzt).

Ein neues Deonym, das aus einem Firmennamen gebildet wurde, ist “googeln”. (Das dürftet ihr verstehen …). Im Gegensatz zu den Deonymen, die aus Markennamen entstanden sind, findet man diese Deonyme meist auch im Wörterbuch, zumindest im Duden. Noch nicht in den Duden geschafft hat es die Firma Kärcher mit dem Verb “kärchern” (etwas mit Hochdruck gründlich reinigen), aber im Bauwesen ist der Begriff durchaus weit verbreitet.

Links

Ich habe versucht mehr über Deonyme im Deutschen herauszufinden, aber es gibt nicht besonders viel Material. Am ehesten interessant sind noch folgende Seiten:

Eingebürgerte Markennamen
GM – Generalisierte Markennamen
Wikipedia – Deonomastik



2 Kommentare… add one

  • Engel 16. Juni 2016, 20:36

    Beim “Duden” handelt es sich aber eher um ein Metonym, da der Autor für sein Werk steht. Früher hätte man ja auch einen Goethe gelesen, ihn aber im Gegensatz zum Tempo wohl nicht als Marke verstanden. Beim ” googeln ” wäre es auch eher ein Neologismus, da die ausgeführte Tätigkeit- im Web etwas suchen – keine treffende Bezeichnung bis dato hatte. Bei Deonymen gibt es,wenn auch fremdklingend, eine Alternative (Bsp. Nutella- Haselnusscreme)

  • Mischi 12. Juli 2015, 17:28

    Oder “nutella” anstatt haselnusscreme

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